REICH GOTTES Lernen

24. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 15, 1–10

Thema: Freude über Freude

 

Es ist der Hochmut, der Stolz und die Selbstgerechtigkeit, die von sich selbst überzeugt, selbstherrlich und selbstgefällig sich über Menschen erhebt und sich anmaßt, Menschen schlecht und schuldig nennen und sie als böse und als Sünder verurteilen zu dürfen. Die Selbstgerechtigkeit vergisst, dass sie selber eine Zielverfehlung ist und Umdenken und Umkehr nötig hat.

Es steht uns nicht zu, andere zu Sündern zu stempeln und über sie den Stab zu brechen, weil erstens wir selber noch auf dem Weg und nicht am Ziel sind und weil zweitens Gott selber niemals jemanden schuldig spricht und verdammt. Das offenbart uns Gott in Jesu Reden und Handeln.

Für Gott ist niemand ein hoffnungsloser Fall. Das zeigt uns Jesus in den beiden eindrucksvollen Gleichnissen dieses Evangeliums. Der Mann gibt das eine seiner hundert Schafe, das sich verlaufen hat, nicht auf. Er gibt es nicht verloren. Er sucht es und hört nicht eher auf zu suchen, bis er es findet. Wenn er es gefunden hat, ist sein Herz voll Freude über Freude. Er nimmt sein Schaf auf seine Schultern und trägt es heim. Und daheim lädt er alle seine Freunde und Nachbarn ein, dass sie mit ihm seine Freude über das wiedergefundene Schaf feiern und sich mit ihm mitfreuen.

Sieger Köder, Freude über Freude

Und die Frau, die eines ihrer zehn Geldstücke verliert, stellt ihre Suche nicht ein, bis sie die Münze wiedergefunden hat. Wenn sie sie gefunden hat, ist sie glückselig und lässt ihre Freundinnen und Nachbarinnen teilhaben an ihrer Glückseligkeit.

Wenn schon Menschen so an einem Tierchen oder einem Geldstück hängen, um wie viel mehr hängt das Herz des himmlischen Vaters an jedem seiner Menschenkinder und an allen seinen Geschöpfen. Wenn schon Menschen nicht verloren geben, was ihnen kostbar und teuer ist, um wie viel mehr ist der gute Gott besorgt um uns, die wir ihm unendlich wertvoll sind, und lässt keinen von uns verloren gehen. Keinen! Und noch einmal: Keinen! Wenn wir Wege gehen, auf denen wir die Fülle des Lebens und die volle Glückseligkeit verfehlen, unternimmt Gott alles und lässt und hilft uns lernen und lernen, dass wir die zielführenden Wege zu unserem Heil finden. Wenn wir die rechten Wege gefunden haben, dann herrscht im Himmel Freude über Freude. Denn „es macht Gott glücklich”, wenn unser Leben gelingt, und wir das wahre Leben finden.

Wenn Gott so an uns handelt, sind wir gefordert, unseren Mitmenschen zu erweisen, was Gott uns erweist. Dann müssen wir unseren Mitmenschen vermitteln, dass sie sein dürfen, wie sie sind, dass wir sie nicht abstempeln oder abschreiben, sondern an das Gute in ihnen glauben und ihnen so begegnen, dass sie selbst an das Gute in sich glauben können. Wenn Gott so gut zu uns ist, dann müssen wir damit anfangen, anstatt über Menschen zu richten und sie zu verurteilen und zu verstoßen einfühlsam und verständnisvoll darauf zu achten, was ihnen fehlt und worunter sie leiden. Wenn Gott so unendlich gütig mit uns umgeht, dann müssen wir darauf bedacht sein, dass wir ihre Umkehr nicht behindern und verhindern, und müssen wachsam im Auge behalten, was sie zu ihrer Umkehr und inneren Heilung brauchen, und was wir dazu beitragen können.