REICH GOTTES Lernen

22. Sonntag im Jahreskreis B

Interview mit Jesus zum Markusevangelium 7, 1-8.14-15.21-23

Thema: Der anders verstandene Sündenfall

Jesus, warum hast du die alten religiösen Traditionen der Reinheitsvorschriften in deiner Heimat für aufgehoben erklärt?

Jesus:

Der Schöpfer nennt alles, was er schafft, gut, ja sehr gut. Nichts Unreines ist in seiner Schöpfung. Die Unterteilung in rein und unrein ist eine rein menschliche Erfindung.

Jesus, du sagst in diesem Evangelium: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.” Dazu haben wir Fragen. Was ist unter dem Begriff 'Herz' zu verstehen? Und: Ist das menschliche Herz böse? Ist es nicht auch Teil der guten Schöpfung Gottes?

Jesus:

'Herz' ist ein alter Name für das, was heute das Unbewusste genannt wird. Das Unbewusste im Menschen ist Gottes Schöpfung, deshalb keineswegs böse. Ich bezeichne gar nichts als böse. Warum aus dem Unbewussten die Dinge kommen, die ich aufgezählt habe, sage ich euch. Das kommt im Letzten aus der gegensätzlichen (dualistischen) Denkweise des Menschen. Sie stammt nicht von meinem Abba-Gott. Der Mensch unterscheidet zwischen gut und böse, gut und schlecht, rein und unrein, heilig und unheilig, gläubig und ungläubig, fromm und gottlos, ansehnlich und unansehnlich, klug und dumm, lebenswert und lebensunwert, unschuldig und schuldig und so weiter und so fort. Diese vom Menschen ausgehende Unterteilung ist Anmaßung. Der Mensch bildet sich ein, zu wissen, was gut und böse ist, und glaubt, darüber befinden zu können und zu müssen. Das dualistische Denken spaltet und zertrennt, es zerstört die Einheit und die Harmonie, bringt ununterbrochen Misstrauen, Schuldzuweisung, Anklagen und Verurteilen, Hass und Vergeltung, Feindschaft, Krieg und Gewalt in die Welt und richtet im Inneren des Menschen und im Außen der ganzen Welt unendlich viel Schaden, Leid, Zerstörung und Tod an.
Ihr kennt die Geschichte vom Sündenfall und dem Verlust des Gartens Eden, welche uns das erste Buch Mose in der Bibel des Alten Testamentes erzählt.
Gott legt einen herrlichen Garten an und lässt viele verschiedene Bäume mit köstlichen Früchten darin wachsen, in der Mitte des Gartens den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Gott sagt dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn wenn du davon isst, wirst du sterben. Der Mensch kann der Versuchung nicht widerstehen und isst vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Die Folge ist: Er verliert den wunderschönen Garten.
Was bedeutet diese Geschichte?
Das Leben im herrlichen Garten ist ein Bild für das Leben in Einheit und Harmonie. Der Mensch ist von Gott dazu geschaffen, in Einheit und Harmonie zu leben, in Einheit und Harmonie mit Gott, mit sich selber und mit allen anderen Geschöpfen. Das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ist eine Metapher für das dualistische Denken des Menschen. Es führt zum Verlust der Einheit und Harmonie.
Nun zurück zu eurer Frage, warum im Unbewussten Dinge ihren Ursprung haben, die ich aufgezählt habe. Der Mensch hält aus welchen Gründen immer auch bei sich selber Teile für gut und andere Teile für schlecht. Seine von ihm so gesehenen schlechten Teile nimmt er nicht an, sondern bekämpft sie, versucht sie auszumerzen, spaltet sie ab und verdrängt sie. Dadurch werden sie vom Menschen zwar vergessen, verschwinden aber nicht aus ihm, sondern gleiten aus seinem Bewusstsein ins Unbewusste ab. Von dort aus wirken sie als zerstörerische dunkle Schatten.

Jesus, worin liegt die Heilung?

Jesus:

Die Heilung kann nur von innen kommen, indem der Mensch lernt, das dualistische Denken zu beenden, und indem er lernt, sich als ganzer Mensch mit allen seinen Anteilen ganz anzunehmen.

Danke, Jesus. Wir loben und preisen dich.