REICH GOTTES Lernen

21. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 13, 22–30

Thema: Tür zum Reich Gottes

Jesus ist für uns der Lehrer des Lebens, der Lehrer des erfüllten Lebens JETZT. Daher sehen wir sein Evangelium in erster Linie als Anleitung zum gelingenden, glückenden Leben JETZT. Das Leben vor dem Sterben liegt uns näher als das Leben danach. Was danach kommt, werden wir erfahren. Da lassen wir uns von Gott überraschen, was er für uns bereithält.

Das Reich Gottes ist schon da. Es ist schon in uns. JETZT SCHON, es kommt nicht erst nach dem Sterben oder am Ende aller Tage. Es geht darum, das Reich Gottes JETZT zu suchen, es JETZT zu lernen und JETZT zu finden.

Jemand stellt Jesus die spekulative Frage, ob nur wenige gerettet werden. Offensichtlich ist es für uns nicht von Bedeutung, die Antwort darauf zu kennen. Denn Jesus geht auf diese Frage gar nicht ein, sondern spricht über etwas, was weitaus wichtiger ist für unser Leben JETZT.

Jesus sagt: „Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen.” Die enge Tür, das ist die Tür in unser Inneres. Wir können unser Leben lang immer im Außen leben und werden dann unser Leben lang nicht zu uns selber finden, in unsere Mitte, in unseren Seelengrund. Darauf kommt es aber an. Es geht darum, ohne Ablenkung von außen in unser Inneres zu kommen. Denn daran entscheiden sich der Sinn, das Gelingen und das Glück des Lebens. Nur wenn wir in unser Inneres gehen, kommen wir zu uns selber und zu Gott und zum Reich Gottes, das ein anderer Name für Glückseligseligkeit ist, nämlich genau das, wonach sich jeder Mensch am meisten sehnt. Denn: Das Reich Gottes ist in uns, in unserer Mitte. Das sagen uns die Jesusworte, die uns Lukas überliefert: Von Pharisäern gefragt, wann das Reich Gottes komme, antwortete Jesus: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist inwendig drinnen in euch.” Der Theologe, Arzt und Dichter Angelus Silesius drückt diese Wahrheit in dichterischer Form aus: „Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir: Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.”

Lukas fügt zum Bild von der engen Tür das Bild von der verschlossenen Tür hinzu. Solange wir uns mit der äußeren Wirklichkeit beschäftigen und uns bei ihr aufhalten und nicht in unser Inneres gehen, solange wir das wahre Leben im Außen suchen, solange werden wir schmerzlich spüren, dass wir an uns vorbeileben und abgeschnitten sind vom erfüllten Leben, solange werden wir unser Leben als „Heulen und Zähneknirschen” erleben. Denn solange stehen wir außerhalb des Reiches Gottes. Da nützt uns auch alles Pochen auf unseren Umgang mit Jesus nichts. Da mögen wir hundertmal getauft und gefirmt sein, tausendmal das Evangelium hören, Eucharistie feiern und die Kommunion empfangen, da mögen wir noch so engagierte Mitglieder einer christlichen Gemeinschaft sein, solange unser Beten, unser religiöses Feiern und Tun und unsere Frömmigkeit jedweder Art äußerlich sind und uns nicht in unser Inneres, in unsere Mitte führen, bleibt die Tür zum Reich Gottes verschlossen.

Noch einmal: Über den Weg in unser Inneres öffnet sich die Tür zum Reich Gottes.