REICH GOTTES Lernen

21. Sonntag im Jahreskreis B

Interview mit Jesus zum Johannesevangelium 6, 60-69

Thema: Jesus ohne Kompromiss

Jesus, du hast die Verkündigung deiner Gottesbotschaft nicht danach ausgerichtet und nicht dem angepasst, was Menschen gerne hören wollten. Selbst deinem engsten Schülerkreis hast du die Frage gestellt: Wollt auch ihr von mir weggehen?

Jesus:

Wenn ich etwas als meine Wahrheit erkannt habe, dann bin ich zu dieser meiner Überzeugung entschieden und konsequent gestanden und habe Widerspruch, Konflikt, Nachteil, Anfeindung und erbitterte Gegnerschaft in Kauf genommen. Mein entschlossenes Stehen zu meiner Wahrheit hat schließlich zur Art meines Todes geführt. Wahrheit erlaubt keine billigen Kompromisse, auch dann nicht, wenn sie unangenehm und unerträglich empfunden wird.

Jesus, du hast keine theologische Ausbildung absolviert und keine akademischen Grade auf einer Theologischen Hochschule erworben. Aus welcher Quelle hast du deine Wahrheit geschöpft?

Jesus:

Am Anfang standen weder eine religiöse Lehre, die ich aus Büchern oder von Lehrern übernommen und weitergegeben habe, noch persönliche intellektuelle Überlegungen. Am Anfang stand meine persönliche Erfahrung mit Gott. Ich habe im Eins sein mit ihm, der letzten Wirklichkeit, gelebt, der ich die Namen „Abba”, „Reich Gottes”, „ewiges Leben” gegeben habe. Nächtelang habe ich mich in die Einheitserfahrung mit dem Göttlichen zurückgezogen und mich nach innen gewendet zum Urgrund meiner Seele, wo Gott wohnt. Dann bin ich öffentlich aufgetreten und habe meine Erfahrung in Worte geformt, in eine Botschaft, die ich den Menschen verkündet habe. Ich habe ihnen das „Vater unser”, die Bergpredigt mit den Acht Seligpreisungen und meine Gottesreich-Gleichnisse geschenkt. Meine persönliche Erfahrung habe ich verkündet - in Wort und Tat. In meinen Abschiedsreden habe ich meinen Freunden gesagt: „Ich und mein Abba-Gott sind eins”, „Wer mich sieht, sieht meinen Abba-Gott”, „Was ich euch gesagt habe, habe ich von meinem Abba-Gott übernommen”. Noch einmal: Meine Wahrheit stammt nicht aus theologischer Gelehrtheit, sondern aus meiner Einheitserfahrung mit meinem Abba-Gott. Aus Erfahrung gewonnene Wahrheit bewirkt Mut und Festigkeit, zu seiner eigenen Wahrheit zu stehen.

Jesus, wie bist du mit Menschen umgegangen, die deine Worte nicht, noch nicht oder nicht mehr hören wollten und von dir weggegangen sind?

Jesus:

Auch wenn ich selber meiner Wahrheit treu geblieben bin, mit meiner Wahrheit bedrängt habe ich niemanden, habe sie niemandem aufs Auge gedrückt, habe niemanden in die Enge getrieben, nicht bedroht und nicht Angst gemacht, wenn jemand meine Wahrheit nicht hören und annehmen wollte. Respektvoll bin ich mit Menschen umgegangen und habe gut über sie gedacht und gut von ihnen gesprochen, auch wenn sie sich von mir abgewandt oder mich abgelehnt haben. Mein Abba-Gott schenkt jedem Menschen die Zeit, die er braucht, zur Erkenntnis der Wahrheit zu finden.

Jesus, was war das große Ziel deiner Gottesverkündigung?

Jesus:

Nicht zu theologischem Wissen und Festhalten an Glaubenssätzen, nicht zum Befolgen von Geboten und Verboten, nicht zum Vollzug frommer, religiöser Riten habe ich Menschen hingeführt, sondern zu ihrer persönlichen Einheitserfahrung mit der letzten Wirklichkeit, mit Gott habe ich sie angeleitet und begleitet. Denn im Eins sein mit Gott finden Menschen zu sich selber und zum großen Sinn und Ziel ihres Lebens. Dabei habe ich Menschen nicht überfordert, sondern ihnen geduldig Zeit gelassen. Ich habe fest darauf vertraut, dass mein Abba-Gott es möglich macht, dass alle Menschen früher oder später zum Eins sein mit ihm und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

Danke, Jesus. Wir loben und preisen dich.