REICH GOTTES Lernen

20. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 12, 49–53

Thema: Unterscheidung und Scheidung der Geister

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.” Diese Jesusworte überliefert uns das vierte Evangelium in den Abschiedsreden Jesu an seine Schüler am Abend vor seinem Sterben am Kreuz.

„Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.” Diese Worte Jesu gibt uns Lukas in seinem Evangelium weiter.

Diese Sätze in den zwei Evangelien stehen ganz gegeneinander. Widerspricht sich Jesus hier? Ist Jesus nun einer, der Frieden bringt, oder einer, von dem Spaltung ausgeht? Ganz gewiss das erste. Davon sind wir überzeugt. In Jesus lebt der volle, reine Frieden. Er ist durch und durch Frieden. Er ist der Frieden in Person.

Was aber bedeutet dann sein Wort von der Spaltung?

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen”, sagt uns Jesus in diesem Evangelium. Dabei handelt es sich nicht um Feuer, das vernichtet und zerstört. Der Begriff „Feuer” hat auch bildhafte Bedeutung. Wir sagen zum Beispiel: „Ein Mensch ist für jemanden oder etwas Feuer und Flamme.” Damit sagen wir: „Jemand ist für einen Menschen oder eine Sache hellauf begeistert.”

Jesus spricht hier offensichtlich vom Feuer der Begeisterung für sein Evangelium und für das Reich Gottes, das er in allen Menschen entfachen will. Jesus begeistert Menschen für sich und für seinen Geist.

Jesu Geist steht im Widerspruch zum Geist der Welt, die Jesus noch nicht kennt und noch nicht versteht. Jesu Geist macht lebendig und führt zum Leben in Fülle und zu wahrer, vollendeter Glückseligkeit. Der Geist der Welt spielt sich groß auf und täuscht vor etwas zu sein, wirkmächtig zu sein. Er ist Un-Geist. Denn in Wahrheit hat er gar keine Macht, weil er nichts ist. Er erweckt nur den Schein und den falschen Eindruck, Menschen den Weg zum wahren Leben weisen zu können. Tatsächlich bringt er sie nur in die Leere. Weil er nichts ist, kann er nur ins Nichts führen.

An Jesus unterscheiden und scheiden sich die Geister. Das ist wohl unter der Spaltung zu verstehen, von der Jesus spricht. Da sind Menschen, die schon Feuer gefangen haben für Jesus, die schon von Begeisterung gepackt werden für sein Evangelium, für seinen Geist, für seinen Weg, für seine Werte, für das Reich Gottes. Und da sind Menschen, für die der Geist Jesu noch fremd ist, die Jesus und seine beglückende, unendliche Freude und grenzenloses Glück schenkende Botschaft noch nicht erkannt haben. Sie können mit Jesus und seinem Evangelium noch nichts anfangen. Sie hängen noch am Geist der Welt. Sie folgen noch dem Geist der Welt. Aber sie werden ihm nicht ewig folgen, weil sie immer wieder die Erfahrung machen, dass der Geist der Welt sie nicht zum Leben, sondern in die Leere führt. Die Sehnsucht nach dem wahren, vollen, erfüllten Leben wird sie früher oder später zu Jesus bringen. Es wird nie zu spät für sie sein. Es wird die Zeit kommen für sie, da sie ihn kennenlernen und sich für ihn begeistern werden. Dann werden sie sich von ihm führen lassen, sich von seinem Geist leiten lassen und den Weg zum Ziel ewiger Vollendung finden.