REICH GOTTES Lernen

1. Sonntag im Jahreskreis - Taufe des Herrn B

Gedanken zum Markusevangelium 1, 7-11

Thema: Da hängt der Himmel voller Geigen

 

 

Die biblischen Verfasser stellen Gotteserfahrungen von Menschen in bildhafter Ausdrucksweise dar. Sie sind als innere Bilder, als Bilder der Seele zu verstehen.

Bei der Taufe Jesu keine Öffnung des Firmamentes über Palästina, die ein Auge hätte sehen können. Keine Stimme von oben, die ein Ohr hätte hören können. Kein Herabkommen des Gottesgeistes in Gestalt einer Taube, die von Sinnesorganen im Außen hätte wahrgenommen werden können. Keine äußerlich bemerkbaren Vorgänge, sondern Offenbarungen, die Jesus in seinem Inneren erfasst hat.

Offenbaren bedeutet: Da wird eine Decke, eine Hülle weggezogen und etwas kommt ans Licht, was Menschen bisher verdeckt, verhüllt, verborgen und unbekannt war. Da erschließt sich Menschen eine Erkenntnis, da tut sich eine gläubige Gewissheit im Herzen auf, eine Überzeugung, eine Wahrheit, ein Wissen.

Offenbarung ist kein außerordentlicher und kein spektakulärer, mirakulöser Vorgang neben den alltäglichen Geschehnissen. Sie ist nicht Wunder und Vision, sondern unmittelbares Erfahren im menschlichen Alltag. Sie ist etwas, was den Menschen mitten in seinen alltäglichen Erfahrungen trifft.

Die Offenbarung kann eine plötzliche Erkenntnis sein gleichsam wie eine spontane Eingebung von einem Augenblick auf den anderen, ein Bewusstwerden von einer Stunde zur anderen, ein sicheres Klarheit finden von einem Tag zum nächsten. Sie kann sich aber auch über einen längeren Zeitraum erstrecken, kann ein langsames Hineinwachsen in eine Wahrheit sein, eine sich allmählich einstellende Klarheit, ein schrittweises Aufleuchten des tiefen Sinnes einer Situation, etwas, das mich nach und nach berührt und ergreift und mich in Anspruch nimmt, ein Lern- und Reifungsprozess.

Bei Offenbarungen ist es wie mit einem Sender und Empfänger. Um empfangen zu können, muss der Empfänger seine Antenne entsprechend ausrichten und auf die richtige Frequenz des Senders einstellen. Gottes Geist ist der Sender. Damit Gottes Botschaften beim Menschen ankommen können, ist beim Menschen innere Offenheit, ein Sich einlassen und gläubiges Vertrauen auf Gott Voraussetzung. Da muss der Mensch seinen Verstand und sein Herz, sein Denken und Fühlen, sein inneres Betrachten und Hören, sein Nachsinnen und Sich vertiefen auf Gott hin ausrichten.

Jesus hört auf Gott. Immer wieder zieht er sich zurück auf einen Berg oder in die Einöde und in die Stille der Natur und horcht in sein Inneres, in sein Herz und seine Seele. Da vernimmt er Gottes Wort an ihn und er erkennt: Ich bin Gottes geliebtes Kind. Er schenkt mir seine unendliche Gnade. Er ist mein himmlischer Vater. Ich bin sein Sohn. Das heißt, wir sind eins, er mit mir und ich mit ihm. Er hat Gefallen an mir. Das besagt: Ich bin für ihn okay, ich bin von ihm angenommen, wie ich bin.

Diese Botschaft richtet Gott an jeden Menschen, also auch an uns. Wenn wir so wie Jesus lernen, auf Gott zu horchen und uns auf ihn auszurichten, wird auch uns Gottes Botschaft offenbar. Und wir vernehmen Gottes persönliche Worte an uns: Du bist mein geliebtes Kind. Ich schenke dir meine unendliche Gnade. Ich bin dein himmlischer Vater. Du bist mein Sohn, meine Tochter. Wir sind eins, ich mit dir und du mit mir. Ich habe Gefallen an dir. Du bist für mich okay, du bist von mir angenommen, wie du bist.

Wenn diese Botschaft in unserem Herzen ankommt, dann hängt in unserem Leben der Himmel voller Geigen: der Himmel des Trostes und der Freude, der Himmel des inneren Friedens und der Glückseligkeit.