REICH GOTTES Lernen

19. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 12, 35–40

Thema: Ganz im Augenblick

 

Um Wachsamkeit und Achtsamkeit geht es in diesem Evangelium.

Wachsam und achtsam zu leben bedeutet unter anderem im heute leben, nicht in der Vergangenheit, sie ist vorbei, und nicht in der Zukunft, sie ist noch nicht.

Wir können zurückschauend in der Vergangenheit leben, das Vergangene mitschleppen wie einen schweren belastenden Rucksack. Wir können dem Vergangenen nachtrauern und bedauern, dass etwas so war, wie es war, können uns Vorwürfe machen für das, was wir unterlassen haben, „hätte ich damals doch ...”, bereuen, was wir dort und da gesagt und getan haben, „hätte ich damals doch nicht ...”, und uns schuldig fühlen wegen etwas, was wir damals noch nicht gewusst und verstanden und noch nicht anders gekonnt haben und was wir im Nachhinein nicht mehr ändern können.

Wir können vorausblickend in der Zukunft leben, sorgenvoll und ängstlich nach vorne schauen, das Glück und die Erfüllung des Lebens immer in kommender Zeit erwarten, „wenn ich einmal das oder jenes habe, dann geht es mir gut”, „wenn ich einmal dies oder das erreicht habe, dann bin ich glücklich”.

Die Vergangenheit gehört uns nicht mehr. Die Zukunft gehört uns noch nicht. Die einzige Zeit, die uns gehört, ist das Jetzt.

Wenn wir in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, leben wir mit uns uneins und zerstreut und verlieren uns. Wenn wir im Augenblick leben, leben wir gesammelt, dann sind wir mit uns eins und finden uns. Es ist jedoch nicht einfach, im Augenblick zu leben. Wir müssen und können lernen, uns frei zu machen vom Nachdenken über die Vergangenheit und vom Vorausdenken über die Zukunft und uns ganz dem gegenwärtigen Augenblick zu widmen.

Wachsam und achtsam zu leben, ganz im Augenblick, ist eine wesentliche Voraussetzung für erfülltes Leben. Es kommt darauf an, dass wir lernen, mit allen Sinnen gegenwärtig zu sein: zu spüren, zu schauen, zu hören, zu riechen, zu schmecken und zu berühren. Der Verstand kann es nicht, im Augenblick zu verweilen. Die Sinne können es.

Wenn wir uns vergessen, wenn wir ganz aufgehen in dem, was wir tun, was wir fühlen, bleibt die Zeit stehen und wir bekommen eine Ahnung von Ewigkeit. Ewigkeit ist der Augenblick, der ganz tief erfahren wird. „Jeder Tag, jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant der Ewigkeit”, sagt der Dichter Johann Wolfgang Goethe.

Im Augenblick zu leben, können wir von Kindern lernen. Kinder leben im Jetzt. Sie halten sich nicht auf bei Gedanken an das Gestern oder an das Morgen. Sie leben, ohne sich über die Zukunft zu sorgen und ohne sich über die Vergangenheit zu grämen und zu betrüben. Sie sind spontan und leben von einem Moment auf den anderen. Sie sind offen für Überraschungen und für alles Neue. Was immer sie tun, tun sie mit Begeisterung, mit voller Aufmerksamkeit und Hingabe. Negative Gefühle wie Traurigkeit oder Ärger überwinden sie schnell. Sie hängen nicht tage- und wochenlang in Wut und Groll. Kinder leben bewusst mit Freude, Herz und allen Sinnen.

Jesus hat an die Erwachsenen die Worte gerichtet: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.” Jesus sagt damit, Kinder lehren die Erwachsenen, was Himmel ist. Sie zeigen vor, Himmel zu leben, und dass der Himmel und das Glück zu finden sind.