REICH GOTTES Lernen

18. Sonntag im Jahreskreis B

Interview mit Jesus zum Johannesevangelium 6, 24-35

Thema: Der andere Hunger - das andere Brot

Jesus, damals haben sich Menschen an deine Fersen geheftet und dich inständig gesucht. Was haben sie von dir erwartet?

Jesus:

Das Brot für die Menge hat bei vielen Leuten Hoffnung ausgelöst. Sie wollten mich zu ihrem König machen, der sie von nun an mit irdischem Brot und allem Lebensnotwendigen versorgt. Ich habe ihrem Ansinnen nicht entsprochen. Mit dem Brot für viele habe ich ein Zeichen gesetzt, das hinweisen will auf einen anderen Hunger und auf anderes Brot. Sie haben dieses Zeichen damals noch nicht verstanden.

Jesus, an welchen anderen Hunger und an welches geheimnisvolle Brot vom Himmel, das der Welt das Leben gibt, denkst du?

Jesus:

Hunger verstehe ich in ganzheitlichem Sinn: körperlich-leiblich, geistig-seelisch und spirituell-mystisch. Ebenso sehe ich Brot in umfassender Weise: als Essen für den körperlich-leiblichen, als Nahrung für den geistig-seelischen und als Speise für den spirituell-mystischen Bereich.
Hunger nach Brot und Nahrungsmittel spürt jeder Mensch jeden Tag. Dieser Hunger ist ein ständig wiederkehrendes Bedürfnis unseres Körpers. Ebenso kennen wir den Hunger nach Wertschätzung, Anerkennung und Bestätigung, nach liebevoller Zuwendung, Nähe und Beheimatung, nach Geborgenheit, Schutz und Sicherheit, nach Berührung, Herzenswärme und Zärtlichkeit, nach Frieden und Harmonie. Dieser Hunger ist das Verlangen unseres Geistes und unserer Seele.
Desgleichen wohnt in uns allen, ob wir ihn schon bewusst erfahren haben oder noch nicht, der Hunger nach dem Ewigen, dem Ganzen, dem Unvergänglichen, nach der Fülle des Lebens. Dieser Hunger ist die Sehnsucht unseres Herzens nach Gott und nach Gemeinschaft, Eins sein und Verschmelzung mit ihm.

Jesus, das Brot auf dem Tisch ist Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Den geistig-seelischen Hunger können Menschen einander stillen. Wer aber erfüllt die Sehnsucht nach dem Ewigen, nach dem Ganzen, die Sehnsucht unseres Herzens nach Gott, wie du sagst?

Jesus:

Das kann nur Gott allein. Er tut es durch mich. Darum sagte ich: 'Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel kommt und der Welt das göttliche Leben gibt. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.'

Jesus, was bedeuten deine Worte 'wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben'?

Jesus:

Wer fest und innig vertraut und daran festhält, dass ich in ihm bin und er in mir ist, gewinnt Lebenssinn in vorher nie erfahrenem Maße und Glück und Freude und Erfüllung, die er in den Gütern und Angeboten dieser Welt nicht findet. Manche Menschen bleiben bei dem Brot, das Körper, Geist und Seele nährt, lange stehen. Sie spüren zwar mehr oder weniger, dass ihnen etwas fehlt. Aber die Sehnsucht ihres Herzens nach dem Ewigen, nach dem Ganzen und Unvergänglichen ist bei ihnen noch verdeckt, aus mancherlei Gründen haben sie ihr noch nicht nachgespürt. Und es ist ihnen auch noch unbekannt, dass Gott selber die Erfüllung dieser Sehnsucht ist.

Jesus, wie können wir die Sehnsucht unseres Herzens nach Gott spüren und erfahren lernen?

Jesus:

Wenn ihr tief in euer Herz hineinhorcht unbeeinflusst und frei von Bedürfnissen, Beeinflussungen und Glücksversprechungen, die von außen an euch herangetragen werden, dann werdet ihr eure Sehnsucht nach Gott spüren und werdet erkennen, dass ich das Brot bin, das diesen Hunger stillt.

Danke, Jesus. Wir loben und preisen dich.