REICH GOTTES Lernen

17. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 11, 1–13

Thema: Beten wie Jesus

„Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange gibt, wenn es um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet?”, hat Jesus seine Zuhörer gefragt. „Nein, keinesfalls ist unter uns so ein Vater” werden sie geantwortet haben. Und auch wir sagen so.

Aber was ist, wenn ein Kind um eine Schlange bittet, weil es vom gefährlichen Biss einer Giftschlange noch nichts weiß, oder wenn es um einen Skorpion bittet, weil es noch keine Ahnung davon hat, dass deren Stich für einen Menschen tödlich ausgehen kann? Wird ein Vater seinem Kind diese Wünsche erfüllen? Unsere Antwort heißt: Unmöglich, dass ein Vater dies tut! Denn der Vater weiß um die Gefährlichkeit von Schlangen und Skorpionen. Er wird sein Kind auf alle Fälle davor bewahren.

Wir machen mit Gott die Erfahrung, dass er Gebete erhört und andere Gebete nicht, dass er Bitten erfüllt und andere Bitten nicht. Warum tut Gott so? Ist er launisch? Handelt er aus Willkür? Mit Sicherheit nicht! Wir glauben oft genau zu wissen, was wirklich gut für uns ist. Und wissen es in Wahrheit nicht. Wir setzen uns dies und das in den Kopf; wir wollen es unbedingt haben und erreichen. Wir bitten Gott darum. Und dann sind wir vielleicht sauer und wütend auf Gott, wenn er unseren Bitten nicht entspricht.

Gott hat Weitblick. Wir nicht. Er weiß, was wirklich gut für uns ist. Wir nicht. Er kennt die langfristigen Folgen und Konsequenzen. Wir nicht. Er sieht über alle Horizonte. Wir bestenfalls bis zum nächsten.

Beten ist Lernen sich fallen zu lassen in die Pläne Gottes im Glauben, dass seine Pläne absolut richtig sind, und er sie deshalb zu keiner Zeit ändern muss und ändern wird. Beten ist Ausdruck und Einüben des Vertrauens, dass Gott weiß, was für uns wirklich gut ist, und dass er uns zur rechten Zeit das Rechte gibt. Beten ist Offensein für die Überraschungen, die Gott für uns bereithält, ist frohes und gespanntes Erwarten, was Gott uns wann zuteilwerden und geschehen lässt. Beten ist Sich darauf verlassen und Überzeugt sein, dass Gott nie etwas falsch macht.

Nach längerer Trockenheit betet ein Bauer mit seiner Frau um Regen. Zur selben Zeit fährt eine andere Familie für ein paar Wochen in den Urlaub und betet um anhaltenden Sonnenschein. Welcher Familie soll Gott ihre Gebete erfüllen? Wird so Gott nicht zum nützlichen Erfüllungsgehilfen der eigenen Wünsche gemacht und als Mittel zum Zweck verwendet? Stellt sich da der Mensch nicht über Gott? Macht er sich damit nicht zum besserwissenden Lehrmeister, der Gott Anweisungen erteilt, was er zu welcher Zeit zu tun hat?

Wenn Gott ohnedies seine Pläne nie umstößt und immer tut, was er für richtig hält, ist es dann überhaupt sinnvoll und notwendig, den Worten Jesu nachzukommen: Sucht und ihr werdet finden, bittet und ihr werdet erhalten, klopft an, und es wird euch geöffnet? Wenn wir also vielleicht etwas ganz Anderes finden als das, was wir gesucht haben, wenn wir möglicherweise etwas ganz Anderes bekommen als das, worum wir gebeten haben? Ja, es ist sinnvoll und notwendig, weil wir so ein offenes Herz bekommen und vertrauen und erfahren lernen, dass Gott in nicht beeinflussbarer und nicht zu berechnender Weise unser Leben wunderbar begleitet und lenkt.

Jesus, lehre auch uns, so vertrauensvoll zu beten, wie du selber zu deinem himmlischen Vater gebetet hast: Vater, alles soll so kommen, wie du es haben willst, alles soll so sein, wie du es machen willst Denn alles, was von dir kommt, ist gut und ist das Beste für uns!