REICH GOTTES Lernen

16. Sonntag im Jahreskreis A

Gedanken zum Matthäusevangelium 13, 24-43

Thema: Gottes Geduld ist nie am Ende

Irgendwo lebt eine große Gruppe von Menschen. Bald geschieht es, dass einige an anderen alles Mögliche auszusetzen haben. Sie fangen an, andere zu beanstanden, sich über andere zu beschweren, Kritik an anderen zu üben und Klage gegen andere zu führen. Dies verstärkt sich im Laufe der Zeit. Sie halten sich selber für gut und anständig, die anderen für schlecht und böse. Sie geben sich selber als rechtschaffen aus, die anderen stellen sie als charakterlos hin. Sie nennen sich selber gläubig, die anderen ungläubig und gottlos. Sie kommen sich selber schön, gebildet und klug, fleißig und tüchtig vor, die anderen stempeln sie als hässlich, dumm, unfähig und faul ab. Sie bilden sich ein, allein im Besitz der vollen Wahrheit zu sein, die anderen betrachten sie als Irrende. Sie nehmen für sich alle positiven Eigenschaften in Anspruch, den anderen schieben sie alle negativen zu. Mit Fortdauer errichten sie unsichtbare Mauern zu den anderen und bauen Feindbilder auf. Die Stimmen werden immer lauter, die sagen: „Die anderen passen nicht in unsere Gruppe. Sie müssen weg. Wir dulden sie nicht mehr. Wir werden sie bekämpfen und ausgrenzen.” Was sie denken und sagen, führen sie nach kurzer Zeit aus. Die Gruppe schrumpft. Eine Zeit später beginnen einige das gleiche Spiel der Ausgrenzung anderer von neuem. Solange wiederholt es sich, bis von der ursprünglich großen Gruppe nur noch zwei Menschen übrig sind. Schließlich sagt der eine zum anderen: „Auch du passt nicht in meine Welt. Ich ertrage nicht, dass du anders denkst, anders bist und anders lebst als ich. Verschwinde aus meinen Augen!”

Menschen, die andere aus ihrer Welt aussondern oder ihre Ausschaltung beabsichtigen, verhalten sich wie die Knechte im Gleichnis, die das Unkraut im Weizenfeld ausreißen möchten.

Unkraut bezeichnen Menschen die Pflanzen, die zwischen angebauten Pflanzen wild wachsen und deren Wachstum und Entwicklung möglicherweise behindern. Pflanzen als Unkraut bezeichnen und davon das Recht ableiten, sie vernichten zu dürfen, das tun nur Menschen. Gott hat jede Pflanze als sein Geschöpf entstehen lassen und jeder ihren einmaligen, berechtigten Platz zugedacht. Gottes Geist hat dem amerikanischen Schriftsteller und Philosophen Ralph Waldo Emerson (1803-1882) die weise Erkenntnis geschenkt: „Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind.” Dieser Aussage schließen wir uns vollinhaltlich an. Bei Gott gibt es kein Unkraut. Unkraut gibt es nur aus der Sicht der Menschen. Aus einer Brennnessel oder einer Distel wird niemals Weizen, und aus dem Weizen wird niemals eine Brennnessel oder eine Distel. Das ist klar. Aber auch die Brennnessel und die Distel haben ihren Wert im großen Garten der Schöpfung Gottes. Die Brennnessel z.B. ist eine der wirksamsten Heilpflanzen.

Wie es für Gott kein Un-Kraut gibt, gibt es für ihn auch keine Un-Menschen. Sie gibt es nur im Urteil der Menschen. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und angenommen. Jedem schenkt Gott unverlierbare Würde, grenzenlosen Wert und seinen berechtigten Platz in dieser Welt. Daher hat niemals jemand das Recht, einem anderen seine Existenzberechtigung abzusprechen.

Die Geduld dessen, den Jesus seinen Abba nennt, ist grenzenlos, also nie am Ende. Diese Gewissheit lebt in Jesus. Sie gibt er im Gleichnis vom Unkraut im Weizenfeld an uns weiter. Lasst alles wachsen bis zur Ernte, lässt Jesus den Gutsherrn zu seinen Knechten sagen. Mit dem Gutsherrn meint er Gott. Das Bild der Ernte steht für Vollendung. Lasst alles wachsen bis zur Vollendung, sagt uns Gott. Er lässt uns wachsen, lernen und reifen bis zur Vollendung in seinem Reich und schenkt uns die Zeit, die wir dazu brauchen.