REICH GOTTES Lernen

15. Sonntag im Jahreskreis B

Interview mit Jesus zum Markusevangelium 6, 7–13

Thema: Der Mund redet, wovon das Herz voll ist

Jesus, wieso hast du deine Schüler zu zweien ausgesandt?

Jesus:

Gestattet mir, dass ich zuerst etwas zum Aussenden sage. Ich begegnete meinen Schülern nicht als Herr und sah sie nicht als meine Diener. Innige Freundschaft hat uns miteinander verbunden. Sie sind mit mir gegangen auf dem Weg meiner Gottesverkündigung, sie haben gesehen, gehört und Erfahrungen gemacht. Dabei ist in ihnen Begeisterung für meine Gottesbotschaft erwacht und für die Art, wie ich auf Menschen zugegangen und mit Menschen umgegangen bin. Ich musste ihnen keinen Auftrag erteilen, sie nicht auffordern oder überreden, von ihnen selber kam der Wunsch, auch selber Gottesverkünder zu werden. Dazu habe ich ihnen einige Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung mit auf den Weg gegeben, z. B. dass ich es für gut finde, zu zweien zu gehen. Zwei Personen können sich gegenseitig unterstützen, sich austauschen, stärken und ermutigen.

Jesus, du gabst deinen Schülern die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben. Was sind unreine Geister?

Jesus:

Unsere jüdische religiöse Tradition sagte, dass es widergöttliche, dunkle Mächte gibt - auch Dämonen oder unreine und böse Geister genannt -, die einen Menschen in Besitz nehmen, ihm die Selbstbestimmung rauben und sein Leben schwer beeinträchtigen können, indem sie ihn in Krankheiten und Angstzustände stürzen. Ich nenne sie nicht unreine Geister, sondern Schatten. Woher sie kommen, sage ich euch mit einem bildhaften Vergleich. Stell dir vor, du bist ein Haus mit zahlreichen Räumen. Jeder Raum ist einmalig schön und birgt einen kostbaren Schatz. Als Kind hast du jeden Raum ungeniert aufgesucht, erforscht und dich an ihm erfreut. Als du heranwuchst, sagte dir jemand, einige Räume des Hauses seien schlecht und böse, mit Mängeln behaftet und Verderben bringend, und du tätest gut daran, diese Räume nicht mehr zu betreten und sie am besten zu verschließen. Weil du die Zuneigung und die Gunst dieses Menschen nicht aufs Spiel setzen wolltest, besuchtest du diese Räume von nun an nicht mehr. Du sperrtest ihre Türen zu und verhieltest dich so, als gehörten sie nicht zum Haus. Nach und nach hatten immer mehr Menschen an verschiedenen Räumen des Hauses etwas auszusetzen und teilten dir mit, welche Räume des Hauses sie gut und passend finden und welche nicht. Über die Räume des Hauses, die bei anderen Missfallen auslösten, schämtest du dich und zeigtest sie fortan niemandem mehr. Du möchtest diese Räume auch selber nicht mehr. Also trafst du die Entscheidung, alle Räume des Hauses abzuschließen, die den Normen der Gesellschaft und deinem idealen Selbstbild nicht entsprachen. Nach und nach gerieten alle verschlossenen Räume des Hauses bei dir in Vergessenheit. Das Haus mit vielen Räumen ist ein Bild für deine Ganzheit. Jeder einzelne Raum des Hauses verkörpert einen einzigartigen Teil von dir, der einen wertvollen Juwel in sich trägt. Das Abschließen und Vergessen mancher Räume des Hauses stellt sinnbildlich das Abspalten und Verdrängen bestimmter Teile von dir dar. Abgespaltene und verdrängte Anteile geraten zwar in Vergessenheit, aber sie sind nicht weg, sie gleiten ab ins Unbewusste und wirken von hier aus als Schatten auf negative Weise - angst- und krankmachend und zerstörend. Heilung deiner Schatten geschieht nicht durch Austreibung oder Bekämpfung. Austreiben ist übrigens kein Wort im Vokabular meines Abba-Gottes. Heilung deiner Schatten erfolgt durch die Erkenntnis, dass es keine dunklen Räume und keine schlechten und bösen Teile in dir gibt. Alles an und in dir ist gut. Du entdeckst allmählich alle versperrten Räume des Hauses wieder, sperrst sie von Neuem auf, betrittst sie, zeigst sie und erfreust dich an ihnen, wie du es als Kind getan hast. Nie mehr lehnst und spaltest du Teile von dir ab, nie mehr verurteilst, verachtest und bekämpfst du etwas an dir. Du nimmst dich an, sagst Ja zu deiner Ganzheit und erfreust dich an allem, was du bist und was dich ausmacht. In meiner Gottesverkündigung habe ich den Menschen offenbar gemacht, dass sie und alles, was in ihnen und an ihnen ist, von Gott gewollt, bejaht und angenommen sind, und dass sie sich deshalb auch selber ganz und gar bejahen und annehmen dürfen mit allem, was sie sind. Sie dürfen umkehren aus ihrer Selbstentfremdung zum ursprünglichen Zustand der Ganzheit, der Harmonie und Einheit mit sich selbst und mit Gott, zum ursprünglichen Vertrauen zu sich selber und zu Gott. In dieser Umkehr liegt Heilung. Meine Schüler haben von mir die heilende Gottesbotschaft und das heilende Reden und heilende Zugehen auf Menschen gelernt und umgesetzt. Zu diesem heilenden Umgang mit Menschen braucht es keine medizinische Ausbildung.

Jesus, warum hast du deinen Schülern empfohlen, auf den Weg ihrer Gottesverkündigung nichts mitzunehmen weder Brot noch Geld, weder Vorratstasche noch ein zweites Hemd?

Jesus:

Was ich meine Schüler gelehrt habe, habe ich selber gelebt. Frei war ich und unbeschwert und fallen lassen habe ich mich in die Güte und Vorsehung Gottes. Wer so lebt, ist nicht arm, sondern reich.

Jesus, du hast deinen Schülern die Worte mitgegeben: Wenn man euch in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. Erläuterst du uns diese Worte näher?

Jesus:

Auch das habe ich in meiner Gottesverkündigung meinen Schülern gezeigt. In der Überzeugung, dass die Botschaft von meinem Abba-Gott das Wertvollste und Schönste ist, was es auf dieser Welt zu sagen gibt, bin ich zu den Menschen gegangen wertschätzend und respektvoll vor ihrer Freiheit und Würde, ohne Druck oder Zwang auf jemanden auszuüben. Mit Druck und Zwang werden Menschen Gott nicht näher gebracht. Wenn jemand meine Worte nicht hören wollte, bin ich ohne Groll und Bitterkeit, gelassen, ruhig und gefasst weitergegangen im Vertrauen, dass mein Abba-Gott ihnen die Zeit schenkt, die sie brauchen, um sich ihm zu öffnen. Mit dem Zeichen der Salbung habe ich Menschen bekannt gemacht, dass sie von Gott mit ewigem Wert und ewiger Würde angenommen sind.

Danke, Jesus. Wir loben und preisen dich.