REICH GOTTES Lernen

12. Sonntag im Jahreskreis C

Gedanken zum Lukasevangelium 9, 18–25

Thema: Unser bester Lehrer

Wir haben darüber nachgedacht, was wir Jesus antworten, wenn er uns fragt, für wen wir ihn halten, und wer er für uns ist. Wir sind zur einhelligen Überzeugung gekommen, wir sagen Jesus: „Du bist unser wichtigster und allerbester Lehrer und unser größtes Vorbild. Wir schauen auf dich, wie du gelebt hast. Und wir gehen bei dir gern in die Schule. Denn du hast unendlich große Geduld mit uns. Du lässt uns Zeit beim Lernen. Du lässt uns Fehler machen und immer wieder von vorne anfangen. Du setzt uns niemals unter Druck und drohst uns nicht mit schlechten Noten und Strafen, wenn wir oft so lange brauchen, bis wir etwas erfassen und umsetzen. Bei dir können wir das Leben lernen und den Weg, der uns zum ewigen Ziel führt. Wir nehmen dein Wort ernst: 'Nur einer ist euer Lehrer: Christus.' Und: 'Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.' Jesus, wir haben schon so vieles von dir gelernt. Und wir müssen und werden noch so viel dazulernen, bis wir dir ähnlich sind. Dann sind wir gereift für das Leben in deinem Reich.”

Jedes Evangelium enthält für uns Lernaufgaben, die wir uns aneignen müssen, um die wir nicht herumkommen, beinhaltet Wesentliches, das wir uns zu eigen machen müssen. Welchen Lerninhalt legt uns Jesus in diesem Evangelium vor? Etwas ganz Grundlegendes: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?” Was Jesus von Nazareth sagt, hat er in seine eigene Lebenspraxis umgesetzt. Wenn wir diese Worte verstehen wollen, brauchen wir nicht lange zu philosophieren, sondern müssen nur darauf schauen und achten, wie Jesus gelebt hat. Jesus hatte keinen privaten materiellen Besitz und kein eigenes Haus. Das Matthäus- und Lukas-Evangelium überliefern uns seine Worte: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.” Und dennoch war er - davon sind wir überzeugt - der glücklichste Mensch der Welt. Was er hatte, war unbeschreiblich große Freiheit, unermessliche Gelassenheit, abgrundtiefes Vertrauen in die Vorsehung und Güte Gottes und grenzenlose Hingabe an Gottes Geschöpfe.

Unsere Welt heute lebt uns etwas Anderes vor. Die Werbung bringt es auf den Punkt, wo heute das Lebensglück gesucht wird. Kauft! Kauft! Konsumiert! Genießt in vollen Zügen die Genüsse und Freuden dieser Welt! Das Glück liegt im Geld und in der großen Anhäufung materieller Güter. Was sind die Folgen dieser Lebensausrichtung? Angst, die Güter zu verlieren, das tägliche Rennen, Mühen und Abrackern um das Geld und die materiellen Güter bis zur völligen Überlastung, bis zur seelischen und körperlichen Erschöpfung und zur Krankheit der Depression und des Ausbrennens, hohe Verschuldung und schlaflose Nächte, zwischenmenschliche Konflikte und Zerbrechen von Beziehungen, krankmachende Habsucht, Geiz und Neid, fortschreitender Überdruss, Selbstverlust und Lebensangst, Überfluss auf der einen Seite der Welt und Armut auf der anderen, Ausbeutung unseres Planeten zum Nachteil künftiger Generationen.

Jesus sagt uns: Sammelt keine Schätze auf Erden, die heute glänzen und morgen vergehen! Löst euch von dem Glauben, das volle Leben in den käuflichen Gütern und Genüssen zu finden! Lernt sie loslassen! Macht euch frei davon! Lernt vielmehr mit allen Sinnen zu leben, zu staunen und euch zu freuen an Dingen, die kein Geld kosten. Eine Überraschung bereitende, glückliche Begegnung. Ein erfüllendes Gespräch. Herzvolle helfende Zuwendung, Einsatz und Dasein für jemanden. Der Blick in lachende Kindergesichter und leuchtende Kinderaugen. Der Duft einer Blumenwiese und eines reifen Getreidefeldes. Das verschiedene harmonische Grün der Bäume, der Gräser und Pflanzen. Die Farbenpracht blühender Blumen. Das Plätschern eines Baches. Das Geheimnis des Wassers. Das Singen der Vögel. Die Schönheit der Berge und Hügel. Das glühende Rot eines Sonnenuntergangs. Die sich verfärbenden Blätter im Herbst. Der Anmut einer Winterlandschaft. Der Zauber der Natur zu allen Jahreszeiten. Alles immer wiederkehrend! Alles gratis für alle! Jesus sagt uns: Lernt von mir!